Frontpanel
Computermuseum der Fakultät Informatik				englisch


pdp8/l

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Typ:           PDP8/L                             <<<    ***    >>>    ^^^
Hersteller:    Digital Equipment Corp.
Technik:       TTL-IC
               Magnetkernspeicher 4096W * 12Bit
Baujahr:       1969
Preis:         ca 50000.-



Die PDP8-Computer waren die am weitesten verbreiteten Minicomputer der
Welt. DEC warb 1978 damit, daß weltweit 50.000 Stück verkauft worden 
waren. Die erste Version, der ur-PDP8 war noch mit diskreten Transisto-
ren bestückt und besaß den gleichen Befehlssatz wie der noch ältere 
PDP5. Beide haben 12 Bit Wortbreite. Das kommt von der ursprünglichen 
Hauptanwendung des PDP5 als kleiner Prozeßrechner, der die Daten eines
im Akkumulator integrierten Analog-Digitalwandlers weiterverarbeiten 
sollte. Alle Befehle des PDP8 bestehen nur aus einem Wort. 12 Bit ist 
die minimale Wortbreite, die einen in der Praxis noch brauchbaren 
Maschinenbefehlssatz ermöglicht.
Der PDP8 wurde im Lauf der Zeit über zehnmal in der jeweils aktuellen
Halbleitertechnologie reimplementiert, wobei der Befehlssatz praktisch 
unverändert blieb. Man kann an dieser Computerfamilie sehr schön stu-
dieren, welchen Einfluß bei sonst unveränderten Bedingungen die Entwik-
klung der Halbleitertechnik auf die Computer hat. Der PDP8/L war nach 
dem PDP8/S und dem PDP8/I die dritte Reimplementierung:
Er war der kleinstmögliche Computer, den sich ein Ingenieur oder 
Wissenschaftler zum persönlichen Gebrauch auf den Schreibtisch stellen
konnte. Als einziges Peripheriegerät wurde eine Teletype-Maschine benö-
tigt, die an anderer Stelle in diesem Heft beschrieben ist. Durch den 
Kernspeicher, den der PDP8/L besitzt, müssen die zu verwendenden Pro-
gramme nur einmal geladen werden und bleiben beim Ausschalten des Rech-
ners erhalten. Dadurch war das Arbeiten mit der relativ langsamen 
Teletype praktikabel.
Die Bezeichnung PDP ist übrigens eine Mimikry: In den Anfangszeiten 
galten Computer als extrem teure Geräte, die viel Platz und Strom 
verbrauchten und aufwendig gekühlt werden mußten. Zu ihrem Betrieb 
waren Operateure, Programmierer und Ingenieure notwendig. Um ihre 
Verkaufschancen zu verbessern, nannte DEC ihre Computer daher nicht 
Computer, sondern Programable Digital Processor' (PDP).
Dadurch, daß der Befehlssatz der einzelnen PDP8-Generationen immer 
kompatibel blieb, bildete sich im Lauf der Zeit ein riesiger Software-
fundus. Dieser wurde durch DECUS, die 'DEC Users Society' getauscht 
und verteilt. Auf dem im Museum ausgestellten PDP8/L laufen in den 4K 
Hauptspeicher z. B. Focal-69 (eine Interpretersprache), LISP 1.5, 
FORTRAN, SPASTC (eine Emulation eines wissenschaftlichen Taschenrech-
ners), CHEKMO-II (ein Schachprogramm) sowie verschiedene Floating Point
Interpreter. Weitere Gründe für die Beliebtheit dieser Computer war der
genial einfache, aber dennoch sehr leistungsfähige Befehlssatz, sowie 
die Tatsache, daß die Hardware vom Hersteller sehr gut dokumentiert war.
In den berühmten Small Computer Handbooks', die bei jedem ausgelieferten
Rechner dabei waren, gab es genaue Anleitungen, wie sich der Anwender 
selbst Erweiterungen und Interfaces bauen konnte, um z. B. damit seine 
Meßanordnungen oder Steuerungen im Labor oder in der Produktion zu 
automatisieren.
Auf dem Bild ist links der geöffnete PDP8/L zu sehen: Oben das Wire-
Wrap-Feld, mit dem die einzelnen Module verdrahtet sind, rechts daneben
ein Magazin mit Zick-Zack-Lochstreifen, welche die mitgelieferte
Systemsoftware enthalten, rechts vorne das 'small computer handbook' 
mit dem man den Computer wirklich verstehen kann, vor dem Frontpanel 
zwei einzelne Lochstreifen.



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