Computermuseum der Fakultät Informatik english français

Anita

Display groß ganz groß Bild: Anita Gesamtansicht

Hersteller: Sumlock Comptometer / Bell-Punch Co., London Typ: Anita Mark VIII Baujahr: ab 1961 Technik: 11 Doppeltrioden 177 Kaltkathoden-Relaisröhren, 1 Dekatron 200 Selen-Gleichrichter, 1(!) Transistor Preis: DM 4450,-

Anita gilt als der erste elektronische Tischrechner der Welt. Ein Prototyp der Maschine steht im Londoner Museum of Science. In der Zeitschrift ELEKTRONIK erschien im Heft 1/1962 die folgende Kurzmeldung: Ein Elektronenrechner von der Größe einer Schreibmaschine wird jetzt von einer Londoner Firma angeboten. Er dient zum Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren und Dividieren. Zum Überprüfen der Ergebnisse ist eine automatische Kontrollvorrichtung eingebaut. Die Antworten werden in kürzester Zeit in Leuchtziffern erteilt. In einem späteren Heft hieß es dazu noch einmal: Vor einiger Zeit konnten wir unsere Leser auf den ersten elektronischen Tischrechenautomaten der Welt aufmerksam machen. [...] Die verbesserte Konstruktion führt nun die Bezeichnung Anita Mark C/VIII. Hierbei handelt es sich um einen [...] Rechenautomaten, der bei völliger Geräuschlosigkeit mit elektronischen Rechengeschwindigkeiten arbeitet, die im Millisekundenbereich liegen [...]. Verblüffend ist bei einer Vorführung, daß nach dem Eintasten der Zahlenwerte nicht das übliche rasselnde Geräusch elektromechanischer Rechenmaschinen ertönt, sondern sich flink und lautlos der Wert an den Ziffernanzeige- röhren einstellt. Der Konstrukteur, Norman Kitz, hatte zuvor an dem britischen Computer der 1. Generation, dem Pilot ACE mitgearbeitet. In der Patentschrift ist ANITA sogar mit einem motorischen Schrittschaltzähler dargestellt, der in der endgültigen Version durch elektronische Ringzähler ersetzt ist. Die Triodensysteme arbeiten als Oszillator und Impulsformer, die Kaltkatoden-Relaisröhren als Flipflops (1 Relaisröhre entspricht in der Halbleitertechnik einem Thyristor und kann ein Bit speichern oder zählen). Das Dekatron ist ein "integrierter Schaltkreis" in Röhren- technik. Die Selen-Gleichrichter dienen als Logikgatter und Kappdioden, der Transistor ist offensichtlich ein Patch. Taktfrequenz ist 3 kHz; damit ist ANITA ungefähr zehnmal so schnell wie eine schnelle mechanische Rechenmaschine. Allein für den 12-stelligen Akkumulator werden 120 (also etwa 2/3) der insgesamt vorhandenen Relaisröhren verbraucht. Das erklärt, weshalb die Maschine nur ein elektronisches Register besitzt. Ihr zweites Register, das Operanden- oder Einstellwerk, ist die "Volltastatur", ein Relikt aus der Zeit der mechanischen Rechenmaschinen. Eine klassische mechanische Rechenmaschine besitzt dagegen 3 bis 4 Register: Akkumulator, Einstellwerk, Umdrehungszählwerk, evtl. Multiplikandenzählwerk. ANITA kostete 1961 soviel wie ein VW-Käfer.

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