Detail
Computermuseum der Fakultät Informatik                           english


Raytheon 704 Minicomputer

Gesamtansicht
Typ:         704                                       <<<    >>>    ^^^
Hersteller:  Raytheon
Technik:     TTL, DTL, 16K Kernspeicher
Baujahr:     1969
Preis:       



Der Rüstungsfabrikant Raytheon stellte auch Prozessrechner her.
Zu unserem Rechner gibt es als Peripherie eine Teletype, sowie ein
Peripherie-Rack, an welches ein Ferranti-Hochgeschwindigkeitsloch-
streifenleser und ein digitales Kassettenlaufwerk angeschlossen werden
kann.
Um nicht noch eine Teletype im Museum stehen zu haben, haben wir die
serielle Schnittstelle des Rechners modifiziert: Sie ist jetzt auf 9600 Bd
umgebaut und besitzt zwei V24-Anschlüsse. Der eine ist mit einem Port des
Terminalservers verbunden, der andere mit einem optischen Hochgeschwindig-
keitsleser. Auf diese Weise können die Lochstreifen sehr zügig eingelesen
werden.

Erfreulicherweise ist auch die Doku, also Schaltpläne und Architektur-
beschreibung, sowie Software auf Lochstreifen (FORTRAN, Assembler,
Texteditor, Maschinentestprogramme und FORTRAN-Beispielprogramme) mit
dabei.
Das gute Stück ist ein echter Katastrophenrechner: Beim Abtransport
verabschiedete sich die Teletype, kaum daß sie von ihrem Pedestal los-
geschraubt war jenseits des Wahrnehmungshorizontes in Richtung Fußbo-
den. Frau Dr. Erika Fuchs hat ein ähnliches Ereignis, als ein gewisser
Donald D. mit einer Schüssel voller Glühbirnen im Arm eine Treppe 
heruntersegelte, onomatopoetisch mit 'klickerradomms' beschrieben.
Zum Glück ist eine Teletype ein robustes Instrument, der ein kleiner
Absturz nicht sehr viel ausmacht. Bei der Untersuchung der Gehäuse-
trümmer fanden wir viele alte Klebspuren, aus denen man schließen kann,
daß selbiges Unglück in den vergangenen 32 Jahren vermutlich schon
öfter vorgekommen ist.
Nachdem wir alles ausgebeult, zusammengekleistert, sowie die Kontakte
der Tastatur und des Lochstreifenlesers geschrubbt und neu justiert
hatten, funktionierte solange alles prächtig, bis es irgendwann ziem-
lich würzig im Museum roch und die Lichter des Frontpanels ausgingen.
Jeder Radiobastler kennt ja den Spruch vom überlasteten Gleichrichter:
'gleich riecht er'.
Wegen eines klemmenden Lüfters war es jenem wohl zu warm geworden und
er verabschiedete sich unter Abgabe deutlicher Rauchzeichen. Der 
Gleichrichter war nicht mehr zu retten, er musste ersetzt werden. Der
Ventilator ließ sich durch Abbau eines Dutzend Scheibchen, Sicherungs-
ringen, Gummimembranen, Filzringen und Blechdeckelchen zerlegen. Nach
Putzen und einer letzten Ölung vor dem Zusammenbau ventiliert er wieder
wie Äolus.
Zur Information: Das Netzteil ist mit zwei magnetischen Spannungskon-
stantern aufgebaut, ähnlich wie das des LGP-30. Zur Feinregelung der
diversen Ausgangsspannungen dienen dann Shunttransistoren. Eine Rege-
lung die auch bei den ersten Farbfernsehempfängern angewandt worden
war. Ballasttriode PD 500 heißt das Stichwort.


Unterlagen
Lochstreifen

zur Homepage des Computermuseums