Computermuseum der Fakultät Informatik
26.1.2000 Neues vom LGP-30
("Nr. 4 lebt")
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Die defekten Befehle Y und R.
Zunächst sah es so aus, daß der Y-Befehl (Adressenersatz) und der R-Be-
fehl (Returnadresse speichern) gar nicht funktioniert.
Durch Experimentieren fanden wir heraus, daß das so nicht stimmt: Beide
Befehle schreiben zwar den Adressteil auf die Trommel, allerdings nicht
in die von den Befehlen adressierte Zelle, sondern in die physikalisch
übernächste auf den Befehl folgende Zelle. Bei Messungen mit dem Logik-
analysator zeigte sich, daß bei diesen Befehlen die Phase 3, in der der
adressierte Operand gesucht wird, genau wie bei den beiden Sprungbefehlen
nur eine Wortzeit lang ist, und dann beendet wird. Bei den Sprungbefehlen
ist das so in Ordnung, bei den Y- und R-Befehlen führt das zu dem oben
beschriebenen Fehler.
Leider half diese Erkenntnis bis jetzt nicht, das oder die für diesen
Fehler verantwortliche Bauteile zu finden.
Am 18. Januar war dann jedoch schon wieder Weihnachten: Das Schelztor-
gymnasium in Esslingen stellte dem Computermuseum die Reliquien seines
LGP-30 als Dauerleihgabe zur Verfügung:
* Die Trommel
* Das Logic-Board
* 3 Röhrenmodule
* Eine große Anzahl von Lochstreifen, auf denen praktisch die gesamte
für den LGP-30 existierende Software befindet:
ACT-V, alle wichtigen Bibliotheksprogramme (9.0, 10.4 u.v.a.m)
* jede Menge Dokumentation
Auf dem Logic-Board waren einige Dioden zerbrochen. Wir haben sie mutig
gegen 1 N 4001 (peinlich) ausgetauscht und dann das Schelztor-Board in
den Rechner gesteckt. Und siehe da: Mit dem Schelztor-Board funktionieren
Y und R.
Um den Rechner zu testen, haben wir einige der Lochstreifen eingelesen,
das Black-Jack-Programm, das 5*5-magische Quadrat-Programm und das Pi-
Programm. Auf den ersten Blick scheinen sie alle zu funktionieren. Die
Spielregeln von Black-Jack kennen wir leider nicht, so daß der Rechner
immer siegt, die Quadrate sehen sehr magisch aus und Pi wurde trotz der
gewünschten 50 Stellen auf 60 Stellen richtig berechnet. Nr. 4 gab nach
den 60 Stellen zwar immer noch nicht auf, die Berechnung war jedoch
leider falsch.
Damit ist klar, daß der Y-R-Fehler auf dem Originalboard liegt, wo wir
ihn hoffentlich auch noch finden werden.
Weil jetzt alles so schön funktionierte und wir soviel Software zum
Ausprobieren haben, haben wir am vergangenen Donnerstag (20.1.) versucht,
den Highspeed Papertape-Reader in Betrieb zu nehmen. Leider klemmte es
da schon wieder: Der Leser als solcher funktioniert zwar, d. h. die Zei-
chen werden korrekt in den Akkumulator des Rechners gelesen, aber danach
stört der Leser alle nachfolgenden Befehle, die gar nichts mit der Ein-
Ausgabe zu tun haben, derartig effizient, daß das ganze Programm in den
Wald läuft. Offensichtlich ist die Phase 2, "Kopieren der gefundenen
Zelle in das Befehlsregister" gestört.
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kk 26.1.2000